Wilhelm Kaisen

Der Name Wilhelm Kaisen ist untrennbar mit der Geschichte der Freien Hansestadt Bremen verbunden, insbesondere mit der Zeit des Wiederaufbaus unserer Stadt nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Wilhelm Kaisen war zu Lebzeiten außerordentlich beliebt, und sein Angedenken erfreut sich bis heute einer hohen Wertschätzung – zumindest in Bremen.

Wilhelm Kaisen wurde 1887 in Hamburg geboren. Aufgewachsen in einer sozialdemokratisch orientierten Familie, arbeitete Kaisen, dem der Besuch einer weiterführenden Schule durch die Armut seiner Eltern nicht möglich war, nach der Schulentlassung zunächst als Hilfsarbeiter und Stuckateur. 1905 trat er der SPD bei und machte bald in der Hamburger SPD auf sich aufmerksam, sodass er 1913/14 zu einem Lehrgang an die Parteischule nach Berlin geschickt wurde, wo er Helene Schweida aus Bremen, seine spätere Ehefrau, kennenlernte. Nach dem Ersten Weltkrieg, den er als Unteroffizier überlebte, kehrte er zunächst nach Hamburg zurück, zog aber bald nach Bremen, den Wohnort seiner Frau.

Seit 1920 arbeitete er in seiner Wahlheimat Bremen, zuerst als Redakteur der Zeitung „Bremer Volksblatt", dann als Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft und schließlich als Wohlfahrtssenator (Sozialsenator). Diese Karriere endete plötzlich 1933 mit der Machtergreifung durch die Nazis.. Kaisen emigrierte nicht ins Ausland, sondern blieb in Deutschland. Nach der Entlassung aus der Haft der Nazis zog er sich mit seiner Familie auf seinen Bauernhof in Borgfeld zurück und widmete sich der Landwirtschaft. Dort blieb er ziemlich unbehelligt von der Verfolgung durch die Nazis und überlebte den 2. Weltkrieg.

Diese Zeit endete am 6.6.1945, als Kaisen von der amerikanischen Militärregierung zunächst zum Mitglied des Senats und Wohlfahrtssenator und später am 1.8.1945 zum Bürgermeister und Präsidenten des Senats ernannt wurde. In den anschließenden Wahlen bekam seine Partei, die SPD, die Mehrheit.

 

Bürgermeister Kaisen

Er wurde zum Bürgermeister und Präsidenten des Bremer Senates gewählt und nahm dieses Amt bis 1965 wahr. Die allgemeine Wertschätzung, die ihm innerhalb und außerhalb Deutschlands entgegen gebracht wurde, bezieht sich sowohl auf seine staatsmännischen Leistungen als auch auf seine persönliche Glaubwürdigkeit und Tapferkeit. Vor allem seine Haltung wurde anerkannt, Politik nicht nach parteipolitischen Prinzipien wahrzunehmen, sondern Vernunft und soziale Gerechtigkeit als oberste Richtschnur zu sehen.

Wilhelm Kaisen ist es zu verdanken, dass es sehr schell gelang, das von den Besatzungsmächten auferlegte Verbot des Schiffbaus und der Schifffahrt rückgängig zu machen. Bremen bekam die Selbstständigkeit zurück, und die Bremer Häfen wurden wieder zu einem Hauptumschlagsplatz des internationalen Handels und zu einer wichtigen Einnahmequelle zum Wohle des Landes.

Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist auch der Kaisen-Erlass zur Überwindung der Wohnungsnot nach den Zerstörungen des Krieges. „Jeder solle ein Haus bauen, der es könne" sagte Kaisen und erlaubte vielen Menschen, in zahlreichen Ortsteilen schnell und unbürokratisch kleine Häuser zu errichten.

Seinen Lebensabend verbrachte Wilhelm Kaisen zusammen mit seiner Ehefrau wieder auf seinem Bauernhof im Bremer Stadtteil Borgfeld. Seine Frau Helene Kaisen starb 1973, Wilhelm Kaisen 1979.


Wilhelm Kaisen zu Ehren

tragen zahlreiche Bauwerke und Einrichtungen seinen Namen, u.a.:

Wilhelm-Kaisen-Brücke

Wilhelm-Kaisen-Container-Terminal in Bremerhaven

Wilhelm-Kaisen- Eissportplatz in Bremerhaven

Seenotrettungskreuzer der DGzRS „Wilhelm-Kaisen"

Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe


Auch an seine Frau Helene Kaisen wird erinnert:

Nachbarschaftshaus Helene Kaisen" in Gröpelingen

Helene-Kaisen-Haus, ein Kinder- und Jugendwohnheim in Bremerhaven

Helene-Kaisen-Weg in der Neustadt


Im Bremer Stadtteil Borgfeld wurde Wilhelm Kaisen zu Ehren ein kleiner Platz (im Ratsspiekerpark) mit einer Büste von ihm angelegt. In Borgfeld befindet sich auch die Dokumentationsstätte Wilhelm Kaisen in der Kaisen-Scheune am Rethfeldsfleet 9A.

Die Scheune dieser einst landwirtschaftlich genutzten Siedlerstelle – hier hatte der frühere Bremer Bürgermeister mit seiner Familie von 1933 bis zu seinem Tod 1979 gelebt – wurde von der Wilhelm-und-Helene-Kaisen-Stiftung zur Dokumentationsstätte umgebaut. Sie soll an Leben und Wirken Wilhelm Kaisens und seiner Ehefrau erinnern.